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SCHÖPFERISCHER ZEICHNER
Jürgen Draegers Sekundenbilder 

„Die Zeichnung ist die Königin der Künste. Dieses Picasso-Wort nahm sich Jürgen Draeger zum Richtmaß für sein künst-
lerisches Schaffen. So gelingt diesem Zeichner besonderen Grades ein kleines Welttheater der Alltäglichkeiten, worin sich jeder erkennt und jeder doch das Eigentümliche, Einmalige erfassen kann. Seine Kunst ist ein unbe-
wusstes Mitgefühl. Er intellektualisiert nicht die Welt, er fühlt ihr den Puls.“                                        
Foto: Dominic Ortelt 17.12.11

Rudolf Köppler 
12.06.1981, Badische Tagblatt
Auszug der Kunstkritik zur Ausstellung in der Merkur-Galerie, Baden-Baden



DRAEGER: MEISTER EINES DOPPELLEBENS
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Biografie


Ende des 19. Jahrhunderts wurden auf dem Gutshof Goldenau Kreis Posen (heute Polen)  die Kinder des Eigentümers Gottlieb Draeger nur als notwendige Arbeitskräfte gezeugt. Das Landgut, Wald, Felder und der eigene See mit Fischerei brauchte handfestes Personal.   

Mit der Geburt des Sohnes Julius am 16. Februar 1900 ging ein leuchtender Stern über dieser düsteren Landschaft auf. Von den 17 Kindern hatte nur Julius das große Talent für alle Bereiche der Landwirtschaft, sogar für Musik und Tanz. Dennoch blieb das Kind Nummer 13 eine ausgebeutete Arbeitskraft ohne Erbrecht.     

Der Einzugsbefehl als Soldat für den I. Weltkrieg erschien für Julius wie eine Befreiung aus der Sklaverei.   

Als Überlebender des Krieges kehrte er nicht mehr in sein Heimatdorf zurück, sondern schloss sich als Mann für alle Fälle einem Wanderzirkus an, der das Traumziel Berlin nie erreichte: am Stadtrand ging das Unternehmen in die Pleite. Als Einziger hatte Julius Draeger den Mut ohne Geld die Hauptstadt zu erobern.   

In der Adalbertstraße 88 Berlin-Kreuzberg konnte er einen fensterlosen Keller nutzen. Dort befanden sich in den Hinterhöfen ländliche Kuhställe. Hier griff er auf seine bäuerlichen Erfahrungen zurück und stellte selbstgemachten Käse her, den er auf Märkten verkaufte. Vom Erlös konnte er sich seine Karriere als Würstchenverkäufer auf dem Alexanderplatz finanzieren.   

Der Kellerraum wurde Produktions- und Schlafstätte.
Die Toilette befand sich auf dem Hof.   

Seine Zirkuserfahrungen machten ihn Mitte der 30er Jahre zum singenden Kellner „Waldemar“ im Vergnügungslokal „Max und Moritz“ in der Oranienstraße 162 Berlin-Kreuzberg, das heute noch existiert.   

Julius war ein Liebling der Frauen. Seinetwegen kam auch die Sängerin Zarah Leander in Begleitung Ihres Textdichters Bruno Balz. So entstand das populäre Lied „Er heißt Waldemar“.      

Aber Julius verliebte sich in die 17 jährige Schwesternschülerin Käthe Petersohn aus Schkeuditz bei Leipzig. Eine Berliner Freundin führte sie in ihr Lieblingslokal „Max und Moritz“: natürlich wegen Waldemar.   

Am 20. Juni 1939 heirateten Julius Gottlieb Draeger und Käthe Helene Petersohn in Berlin.

1940 am 2. August  wurde der Sohn Jürgen nach Ausbruch des II. Weltkrieges in der Kreuzberger Kellerbehausung geboren. Vater Julius lässt sein Kind nicht taufen. Der Sohn soll sich später selbst entscheiden, welche Religion seinem Dasein Sinn geben kann.  

Adolf Hitler hatte den Plan aus Berlin die Welthauptstadt Germania entstehen zu lassen. Das einzige realisierte soziale Wohnbauprojekt für 10.000 Bewohner wurde die 3 Kilometer lange Blockbebauung am Grazer Damm in Berlin-Friedenau. Julius wurde Pächter der Baukantine dieser Großbaustelle und erhielt die Zuweisung einer 2-Zimmerwohnung Hausnummer 185.

Anfang der 40er wurde der Vater Draeger als Soldat an die russische Front geschickt. Nach einem Brandbombenangriff und Zerstörung der neuen Wohnung wurden Mutter und Sohn in der Flammenhölle getrennt. Beide glaubten an den Tod des Anderen. Jürgens Teddybär verbrannte im Luftschutzkeller. 

In den Ruinen von Berlin musste der vierjährige Jürgen einsam die Kunst des Überlebens erfahren. Auf Straßenpflastern und an Trümmerwänden setzte er mit Holzkohle und weißer Kreide Lebenszeichen. Kreide und Kohle sind bis heute die bestimmenden Arbeitsmaterialien in seiner Kunst.    

1945 nach Kriegsende und der Entlassung des Vaters aus russischer Kriegsgefangenschaft fand sich die Familie mit Hilfe des Roten Kreuzes wieder. Zwischen Vater und Sohn entwickelte sich eine lebensprägende tiefe Verbundenheit.  

1946 Einschulung.
Schwester Gerlinde wird in Berlin-Friedenau geboren.   
Das Haus am Grazer Damm 185 wurde wieder aufgebaut. 

1947 erstes nachweisbares Kunstwerk:
Aquarell „Blumenstilleben“ signiert mit J.D. 15x21cm.

1948 – 1949 Berliner Blockade.

Auf eigenen Wunsch ließ sich Jürgen Draeger mit 9 Jahren von der Evangelischen Kirche taufen um den Vornamen „Julius“ seines erkrankten Vaters offiziell tragen zu können.

1950 verstarb der Vater an den Folgen seiner Kriegsverletzungen.

Mit der Erkenntnis, dass die Institution Kirche den trauernden Sohn keinen überzeugenden Trost spenden konnte, trat Draeger aus dieser christlichen Glaubensgemeinschaft wieder aus.

Mutter Käthe Draeger lebte mit ihren zwei Kindern von 124,- Mark Sozialunterstützung. Wegen der finanzieller Notsituation stahl der Sohn aus den Kriegsruinen Buntmetall. Schrotthändler waren seine Abnehmer. Der Erlös war für Lebensmittel und Malmaterialien.    

Als Mitglied des Olympischen Sport Clubs Berlin (OSC) wurde Draeger Juniorsieger im Drei-Kampf.  

1953 wurden Draegers Zeichnungen erstmalig in Berliner Tageszeitungen veröffentlicht.   

1954 bekam er seinen 1. Kunstpreis: Plakatentwurf zum „Tag des Kindes“.

1955 erhielt der Minderjährige die Sondergenehmigung für das Aktzeichenstudium auf der Hochschule für bildende Künste.   

1956 nach Schulabschluss begann er eine kaufmännische Lehre in einem Kaufhaus.
Die Ausbildung umfasste Buchhaltung, Schaufenstergestaltung und Schriftgrafik.
Parallel assistierte er den Bühnenbildnern Werner Schachteli und Jan Schlubach.

Jürgens Mutter nahm aus finanzieller Not den jungen Maurer Horst Hempel als Untermieter auf. In Abwesenheit von Mutter und Schwester versuchte der Handwerker den minderjährigen Jürgen sexuell zu missbrauchen. Es kam zu einer dramatischen Schlägerei. Draeger glaubte, den Täter getötet zu haben.   
Unfähig über die Vergewaltigung sprechen zu können floh er nach München und wurde dort als Obdachloser von der Polizei aufgegriffen.   

Sein Schweigen führte zu einer 6-wöchigen Einzelhaft im Cornelius-Gefängnis.    

Nach Identifizierung des Inhaftierten wurde Draeger mit der Auflage „Rückkehr in die familiäre Umgebung“ entlassen. Inzwischen hatte der Täter die Mutter geheiratet. Jürgen blieb traumatisiert, vereinsamt und sprachgestört.   

Die Malerei blieb seine einzige Kommunikation.

1960 am Neujahrstag fand der heimatlose Berlin-Rückkehrer Unterschlupf bei der Wirtin vom „Dürer-Eck“ am S-Bahnhof Friedenau. Vor der Kneipentür entstand das Ölbild „Berliner Häuser“, dass im gleichem Jahr auf der Großen Berliner Kunstausstellung gezeigt wurde. Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt eröffnete die 700 Werke umfassende Präsentation zeitgenössischer Kunst. Am Höhepunkt der abstrakten Malerei überraschte Draeger die Kunstkritik mit seinem Realismus. Das gelobte Gemälde wurde vom Meister der Evergreens Textdichter Bruno Balz ("Kann denn Liebe Sünde sein?") erworben. Daraus entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft.
Als Orakel schrieb Bruno Balz den Text „Wir wollen niemals auseinandergeh´n“. Mit der Musik von Michael Jary wurde das Lied ein Super Hit.

Seinen Lebensunterhalt verdiente sich der Maler nachts als Fabrikarbeiter. Wegen seiner Sprachstörung nahm er Schauspielunterricht bei Marlise Ludwig, die auch Horst Buchholz ausgebildet hatte. Zusätzlich volontierte er dem avantgardistischen Fotografen Herbert Tobias.

Im Dezember eröffnete Dieter Hallervorden sein politisches Kabarett „Die Wühlmäuse“. Als Schauspiel-Studienkollege gestaltete Draeger sein erstes Bühnenbild.

1961 dritte Beteiligung an der Großen Berliner Kunstausstellung in den Messehallen am Funkturm mit einem Ölbild.
Zitat vom 31. Mai 1961 aus der Tageszeitung „die wahrheit“ :

 „Fast eintausend Arbeiten der Malerei, Grafik und Plastik zählt der Katalog auf, 300 mehr als im Vorjahr. Doch die erhöhte Quantität brachte keine neue Qualität mit sich. Gemessen an der Situation der bildenden Kunst bei uns in West-Berlin muss man es schon als ein Ereignis bezeichnen, dass Jürgen  D r a e g e r - Berliner Hinterhäuser mit wehender Wäsche auf dem Hof - den neuen sozialkritischen Realismus prägt.

13. August Beginn Berliner Mauerbau.

Mit einer Rolle in Wedekinds „Frühlingserwachen“ am Schiller-Theater Berlin kam der erste schauspielerische Erfolg.   

1963 erste Einzelausstellung „Berlin bleibt doch Berlin“ in der Berlin Hilton Galerie.
Einen Tag vor der Vernissage kaufte ein amerikanischer Sammler die gesamte Ausstellung von 10 Gemälden auf.

1964 spielte Draeger eine Hauptrolle als Außenseiter der Gesellschaft in Jürgen Rolands preisgekröntem Film "Polizeirevier Davidswache" (Bundesfilmpreis, Goldene Leinwand). Über Nacht wurde der unbekannte Schauspieler zum Idol der jungen Generation. Weitere Filmrollen als einsamer Held in ganz Europa folgten. Auf Grund seiner großen Popularität erschien sein Gesicht auf vielen Zeitschriftentiteln.

1967 wurde Jürgen Draeger zum beliebtesten Filmschauspieler des Jahres von seinem Publikum gewählt.

Parallel entwickelte sich eine vielseitige  Fernsehkarriere: seine Hauptrolle in Eberhard Fechners "Selbstbedienung" gehört heute zur Fernsehspielgeschichte, ebenso die Stahlnetz-Folge "Die Nacht zum Ostermontag" von Regisseur Jürgen Roland.

Schauspielkunst und Malerei ergänzten sich als inspirierende Symbiose, weil der Mensch in seiner Vielschichtigkeit immer im Mittelpunkt steht. Als Meister des künstlerischen Doppellebens bewies sich Draeger in den Darstellungen verfilmter Maler-Biografien: des französischen Künstlers Eugène Delacroix (1798-1863) und als Hans Makart (1840-1884) aus Österreich.   

1969 kam der Entschluss sich aus der Depression des eingemauerten Berlins zu befreien. Draeger kaufte sich einen roten Fiat Spider, füllte den Wagen mit Malmaterial und fuhr mit seiner Staffelei auf eine Malreise nach Italien.   
In Rom beobachtete der Maler Giorgio de Chirico auf der Spanischen Treppe den Unbekannten beim Zeichnen. Den Meister des Surrealismus gefiel Draegers eigenwillige Handschrift und organisierte eine Einzelausstellung im Café Greco in der Via Condotti. Zur Vernissage erschien der Regisseur Federico Fellini. Der Oscar Preisträger kommentierte ein Werk:

Che sorpresa!“ - Welch eine Überraschung! -
Purtroppo,  questo motivo non la mia idea.“ - Leider ist dieses Motiv nicht meine Idee. - und kaufte Draegers römische Impression.

1972 engagierte Federico Fellini den Berliner als Kostüm- und Bühnenbildner für den Film "Roma".

1975 studierte Draeger auf Oskar Kokoschkas Sommerakademie in Salzburg die Technik von Radierungen und Kupferstichen. Im gleichem Jahr erhielt er den 1. Preis der Berliner Festwochen und wurde als Mitglied des BBK-Berufsverbandes Bildender Künstler von Berlin aufgenommen.

1977 fand im Kunstgebäude am Schlosspark Stuttgart unter der Schirmherrschaft des Bundeskanzlers Helmut Schmidt die 1. Bundesaustellung des BBK unter dem Motto „Künstler und Umwelt“ statt. Das Draeger Bild „Die Begegnung“ gehörte zu den ausgewählten Kunstwerken.

Im gleichem Jahr führte Draeger erstmalig seine künstlerischen Schwerpunkte Malerei und Schauspiel während der Probenzeit zur klassischen Komödie „Don Gil von den Grünen Hosen“ von Tirso de Molina in der Freien Volksbühne Berlin zusammen. Im Theater entstand eine Serie von Zeichnungen.
Durch die Neubearbeitung des Stücks von Knut Boeser und deren Inszenierung von Hans Gratzer mit seinen Hauptdarstellern Krista Stadler und Jürgen Draeger wurde die Aufführung ein strahlender Erfolg. Das Theater war monatelang ausverkauft.

1978 war der West-Berliner Künstler mit seiner Bilderserie ARBEITSWELT einer der Ersten, der in der U.d.S.S.R. im „Haus des Volkes“, Wolgograd ausgestellt wurde.

Für eine Reportage über den Maler Marc Chagall wurde Jürgen Draeger vom Magazin STERN als Fotograf verpflichtet.

Ebenso fotografierte er Porträts für das ZEIT-Magazin. Im Auftrag des Hamburger Abendblattes entstand eine Fotoserie über Hildegard Knefs letzte Tournee.

In den 70er Jahren lebte der Künstler vor allem in der bayrischen Hauptstadt München. Dort lernte er die populäre junge Schauspielerin Helga Anders kennen, mit der er sich 1980 in Venedig verlobte. Kurz vor der geplanten Hochtzeit in Berlin verstarb die junge Schauspielerin.

1981 fand in der Alten Oper Frankfurt / Main ein Ludwig van Beethoven Konzert mit dem Radio-Sinfonie-Orchester-Frankfurt unter der Leitung von Hiroyuki Iwaki statt. Zur Musik rezitierte Jürgen Draeger den „Egmont“ aus Johann Wolfgang v. Goethe´s Urfassung.   

Jury-Mitglied 8. Brüssels Film Festival.

1982 – 1987 TRILOGIE DER MASKEN

1982 begleitete Jürgen Draeger auf Wunsch des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder malerisch die Verfilmung des Skandal-Romans "Querelle" von Jean Genet im Berliner Filmstudio. Nach Literatur und deren Verfilmung sollten Draegers Zeichnungen über das Thema Gewalt und Leidenschaft die dritte künstlerische Interpretation werden.

Andy Warhol und Jürgen Draeger erhielten von Fassbinder den Auftrag jeweils ein "Querelle" Kinoplakat zu gestalten. Nach den Dreharbeiten verstarb Rainer Werner Fassbinder am 10. Juni 1982 in München. Danach lehnte der Filmverleih die Plakatentwürfe von Warhol und Draeger ab. Ein deutscher Verlag dagegen verkaufte die Warhol und Draeger Entwürfe als Kunstdrucke weltweit.

1982 im Rahmen der berliner Welturaufführung des letzten Fassbinder Films "Querelle" im September wurde erstmalig Draegers QUERELLE-ZYKLUS in der KaDeWe – Galerie der Öffentlichkeit präsentiert. Kunstkritik und Publikum feierten einen sensationellen Erfolg. Die Ausstellung ging auf Europa-Tournee und hatte über 190.000 Besucher.

1983 zeigte die Kunsthalle Darmstadt unter dem Titel "Köpfe und Gesichter" eine Auswahl vom Querelle-Zyklus.

Mit dem QUERELLE-ZYKLUS legte Draeger den Grundstein seiner 5-jährigen Arbeit zur TRILOGIE DER MASKEN: zur Befreiung des beklemmenden Querelle-Themas entschied sich der Künstler die heitere, poetische Circus-Roncalli-Welt zu erleben. Drei Jahre lang begleitete der Maler den Zirkus durch Deutschland. So entstand der Bilderzyklus DIE REISE ZUM REGENBOGEN, der als Wanderausstellung international erfolgreich gezeigt wurde.   
 
1985 veranstaltete die Galerie Ruf in München zum Thema Zirkus die Ausstellung PICASSO, DALI, MIRÓ & DRAEGER. Sämtliche Draeger-Werke wurden während der Vernissage verkauft. Daraufhin zeigte die Galerie Ruf eine Auswahl von neuen Draeger-Werken auf der Kunstmesse Basel.   

1986 arbeitete und lebte der Künstler im Theater des Westens Berlin um die Probenzeit zum Musical EIN KÄFIG VOLLER NARREN  hautnah mitzuerleben. Das Thema des geschlechtlichen Doppelspiels von Mann und Frau faszinierte Draeger. Als Abschluss seiner TRILOGIE DER MASKEN fand er das Musical als ideale Inspiration. Erstmalig wurde die Bilderserie am Ort der Spielstätte dem Publikum präsentiert. Der Narren-Zyklus wurde anschließend in vielen Städten erfolgreich ausgestellt.

Für die TRILOGIE DER MASKEN entwarf Draeger selbst die Ausstellungskonzepte.

Die Edition Braus Heidelberg veröffentlichte Kunstbücher zum jeweiligen Zyklus:   

QUERELLE-ZYKLUS
DIE REISE ZUM REGENBOGEN
EIN KÄFIG VOLLER NARREN

1985 entstand das Konzert-Plakat "Hommage à Marlene" für das deutsche Schauspielhaus
Hamburg zu Ehren des Weltstars Marlene Dietrich.

1987 Ehrengast zur 750 Jahresfeier der Stadt Berlin.
Draegers populäre Zirkusbilder wurden in einem temporären Museumspavillon präsentiert.


14.03.1988 verstarb sein Lebensgefährte Bruno Balz.
19.03.1988 folgte der Tod von Mutter Käthe.

1989 Berliner Mauerfall am 09. November.

1990 begleitete der Künstler den einstigen Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt auf dessen historische Reise in die Neuen Bundesländer. Dabei entstand eine einmalige WILLY-BRANDT-PORTRAIT-SERIE.

Als Höhepunkt der Jubiläumsausstellung LEBENSLÄUFE zum 50. Geburtstag des Malers Draeger sollte ein Willy-Brandt-Triptychon in der Rathaus-Galerie Berlin-Tempelhof gezeigt werden.

Der CDU-Bezirksbürgermeister Siegmund Jaroch lehnte aus politischen Gründen
die Brandt-Portraits ab.

Während der Pressekonferenz zur Ausstellungseröffnung äußerte der Kunstamtsleiter Ibscher: „Dies ist die schlechteste Ausstellung des Jahres!“ Entrüstet über diese öffentliche Demütigung ohrfeigte Draeger den Amtsleiter.
Es kam zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung.

Schon im Vorfeld wurde das vorgesehene Ausstellungsplakat mit einem Zitat aus Jean Genets Roman QUERELLE wegen angeblichen pornographischen Inhalts vom Kunstamt Tempelhof abgelehnt. Die Erstauflage wurde vernichtet, eine zensierte Neuauflage musste der Künstler selbst bezahlen.

Der Festakt zu Draegers Jubiläumsausstellung wurde abgesagt. Der Bezirksstadtrat und heutige Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit durfte die Laudatio nicht halten. Durch einen Gerichtsbeschluss mussten die Brandt-Portraits gegen den Willen des Bezirksbürgermeisters gezeigt werden. Die Rathausregierung erhob gegen Draeger eine Klage wegen Hausfriedensbruch und Körperverletzung. Der Künstler wurde zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Den täglichen Besuch seiner eigenen Ausstellung musste er sich juristisch erkämpfen.

Draegers Ausstellung "Lebensläufe" wurde ein Publikumsrenner.
Das Buch zur Ausstellung "Lebensläufe" erschien beim Janssen Verlag Berlin.

Nach dem Brandt-Portraits-Skandal verließ der Künstler Deutschland und verschwand spurlos.

Draegers letzter öffentlicher Auftritt war am 3. November 1990 als Begleiter von Hildegard Knef zum UFA-Filmball in Düsseldorf.


2002 kam Draeger anlässlich des 100. Geburtstages seines verstorbenen Lebensgefährten, dem Textdichter Bruno Balz, zeitweise nach Berlin zurück. Als dessen Rechtsnachfolger gründete er die Firma "Evergreens Comeback !! Medien".
Die erste Produktion war die Doppel-CD DER WIND HAT MIR EIN LIED ERZÄHLT als Hommage an den Meister unvergesslicher Lieder, die einst Zarah Leander, Heinz Rühmann und Johannes Heesters zu Stars machten. Mit der Auszeichnung als beste Evergreens Musikproduktion des Jahres war die Doppel-CD nach kurzer Zeit vergriffen.

Bei Sichtung des Bruno Balz Archivs entdeckte Draeger ein Foto seines Vaters in einer privaten Mappe von Männerportraits.

2008 ist Jürgen Draeger endgültig in seine Geburtsstadt Berlin zurückgekehrt.   
Als zukünftiges Arbeits-Atelier entdeckte er den historischen Rathenau-Saal im ehemaligen AEG-Industriegebiet in Berlin-Oberschöneweide an der Spree.

Seit 2009 ist das Atelier Draeger im Rathenau-Saal offizieller Ausstellungsort zum
"Tag des offenen Denkmals":


2009 - DIE REISE MIT WILLY BRANDT 1990

           Als persönlicher Gast von Willy Brandt begleitete Jürgen Draeger den    
           Friedensnobelpreisträger auf der historischen Reise in die Neuen   
           Bundesländer. Dabei entstand eine Serie von Brandt-Portraits.
           
           DAS ORAKEL VON OBERSCHÖNEWEIDE            
           Fotos von Wolfgang Ikert: Draeger Portraits in seinem neuen Umfeld.


2010 - QUERELLE-ZYKLUS

           Der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit besuchte
           offiziell den zurückgekehrten Künstler Draeger in seiner neuen
           Arbeitsstätte und sah sich retrospektiv den berühmten Zyklus an.   


2011 - DIE REISE ZUM REGENBOGEN Roncalli-Zyklus   

           „Jürgen Draeger hat mit seinen Zeichnungen etwas Wunderbares   
           erreicht, was für mich die Fotografie nicht geschafft hat: die spezielle
           traumhafte Atmosphäre meines Circus Roncalli in neuartigen Bildern
           weiterleben zu lasse."
          
           Bernhard Paul, Zirkusdirektor




2012 – 8./9. September wird der Zyklus EIN KÄFIG VOLLER NARREN gezeigt.   
              
          „Sein und Schein, Spiel und Wirklichkeit, der Mensch hinter der Maske      
          Draegers Darstellungen sind augenöffnend und bewusstseinserweiternd,      
          denn überzeugt von der in der Tiefenpsychologie längst bekannten Tatsache,
          dass in jedem Menschen eine gewisse Doppelgeschlechtlichkeit angelegt ist,  
          will der Zeichner und Buchautor zum Nachdenken anregen.“
         
          Heide Seele, Rhein-Neckar-Zeitung 4. März 1987


Aktuell arbeitet der Künstler an seinem Kunstprojekt "SÜNDE SEIN".
2013 werden die neuen Werke zum 111. Geburtstag des Textdichters Bruno Balz in Berlin präsentiert.


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Jürgen Draeger wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet und gilt als bedeutender deutscher Künstler der Gegenwart ("Berliner Morgenpost", "TAZ")



Kunstpreise/Auswahl:

1954 - Auszeichnung für das Plakat „Tag des Kindes“  

1974 - KUNSTPREIS DER STADT MANNHEIM
          Während der Mannheimer Maiwoche überreichte Oberbürgermeister Ludwig 
          Ratzel dem Maler Jürgen Draeger für seine dort ausgestellten Bilder den
          Kunstpreis der Stadt Mannheim.

1975 - KUNSTPREIS DER BERLINER FESTWOCHEN  

1979 - AUSZEICHNUNG VOM NEUEN BERLINER KUNSTVEREIN
          für die Lithografie "Der tanzende Leierkastenmann" bei der Ausstellung
          "Grafik für Kinder"  

1981 - GRAND PRIX INTERNATIONAL D´ART CONTEMPORAIN DE MONTE-CARLO     
          Bilder aus dem Zyklus „Sucht und Drogen“  

1986 - 1. KUNSTPREIS DER STADT SCHNEVERDINGEN
          für das Werk „Marianne“ aus dem Zyklus „Die Leute vom Domplatz“


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                                                                                         Stand vom 11.12.2011